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Neues Verfahren gegen Korkschmecker
Nachdem erst kürzlich ein neues, in Deutschland entwickeltes Verfahren als "Allheilmittel" gegen den berühmt-berüchtigten Korkfehler vorgestellt wurde, meldet jetzt der Hersteller Sabaté, seinerseits eine wirksame Methode entwickelt zu haben.

Auslöser des unangenehmen, muffigen Geschmacks ist die Substanz Trichloranisol (TCA), die u.a. durch Beteiligung von Mikroorganismen entstehen kann, die in der Rinde von Korkeichen vorkommen. Trichloranisol ist für den Menschen sensorisch schon bei extrem niedrigen Konzentrationen wahrnehmbar, die wissenschaftliche Analytik daher aber entsprechend aufwendig (Gaschromatographie etc.).

Bereits vor einigen Jahren galt eine Behandlung der Korken mit Mikrowellen als erfolgversprechender Ansatz, vor wenigen Wochen machte dann die Meldung von einem Protein - der Suberase - die Runde, welches effektiv die Entstehung von TCA im Korken verhindern soll, indem es die Vorstufe von TCA, Trichlorphenol, zu Polymeren, also "längeren" Molekülen verkettet. Dadurch kann kein Phenol mehr entstehen - und ohne Phenol dann auch kein TCA.
Dies wird in der Praxis aber nicht restlos alle fehlerhaften Korken verhindern, da bereits (z.B. im Ursprungsland) "infizierte" Korken durch die Suberase-Wäsche nicht mehr gereinigt werden können.

Einen ganz anderen Weg geht nun Sabaté mit ihrem "Diamanten"-Verfahren: "überkritisches" CO2 wird mit Hochdruck in die Korken gepreßt und bekämpft damit Chlorphenole und Chloranisole.

Überkritisches CO2 erhält man, indem gasförmiges Kohlendioxid einem Druck von 200 bis 300 bar und einer Temperatur von 100 bis 140° C ausgesetzt wird. Eine wichtige Eigenschaft dieses CO2 ist die Fähigkeit, Stoffe mit niedrigem molekularen Gewicht, wie auch TCA, zu absorbieren. Damit ist es möglich, die unerwünschten Substanzen aus den Korken regelrecht "auszuwaschen" und das Material weitgehend zu sterilisieren, ohne es anzugreifen.
Ein ähnliches Verfahren nutzt man schon länger zu Entkoffeinierung von Kaffee oder zur Behandlung von Hopfen vor dem Brauen von Bier. Neuerdings verwendet auch die Textilindustrie überkritisches CO2 zum umweltfreundlichen Färben von Stoffen.

Für diese Forschung zur Reinigung von Weinkorken investierte Hersteller Sabaté (ein Tochterunternehmen der Oeneo-Gruppe) nach eigenen Angaben 15 Millionen Euro. Die ersten derart behandelten Korken kann man im Jahr 2005 auf dem Markt erwarten. In der Theorie wirkt das Konzept mit dem CO2 etwas überzeugender, als das in Geisenheim erdachte Verfahren mit der Suberase.

Angesichts dieser vielversprechenden Ergebnisse sowie einem Trend zu alternativen Materialen, die bei Gebrauchsweinen schon Gang und Gäbe sind, können Weinfreunde nun hoffen, daß der gefürchtete Fehler, der schätzungsweise 10-20% aller im Handel befindlichen Flaschen (nicht alle Weine, deren Geschmack sich durch TCA bereits verändert hat, werden auch als solche richtig erkannt) ruiniert, bald weitestgehend der Vergangenheit angehören wird.
19 Apr 2004 von oliver


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