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Chateau Bellegrave, Cru Burgeois Médoc 1999

Château Bellegrave

Gekauft bei: Vino24 für 8,99 €
Verkostet am: 13.04.2003

Eine knappe Woche später erhielt ich nach dem Ch. Panigon auch den bestellten Château Bellegrave. Leider erhielt ich nicht, wie im Online-Shop angeboten, einen Jahrgang 1998 sondern den 99er. Gerade zwischen diesen beiden Jahrgängen gab es im Bordeaux teilweise gravierende Unterschiede! Einen guten Wein-Shop zeichnet unter anderem aus, daß nicht kommentarlos ein Nachfolgejahrgang geschickt, sondern vorher nachgefragt wird, ob man diesen auch haben möchte. Zudem ist es ein Zeichen für schlechte Pflege des Online-Shops, denn nach wie vor ist dort ein 1998er aufgeführt...
Als Konsequenz habe ich gleich mal deren Werbung von meiner Seite entfernt - verdient habe ich damit sowieso nichts.
Unzufriedenheit mit dem Händler sollte man nicht auf den Wein übertragen und so versuchte ich, neutral und fair zu verkosten. Man darf nicht vergessen, daß es sich hier schon um einen Wein für 9,- € handelt und man schon einiges erwarten darf. Außerdem spielt er damit preislich bereits in einer Liga mit z.B. einem Château Bonnet Réservé.

Die Probe erweist sich als totaler Reinfall: erste Flasche geöffnet und zwei Stunden stehen gelassen. Dann die Probe: da stimmt doch etwas nicht? Genau: der berüchtigte Korkschmecker. Nun gut, wozu habe ich drei Flaschen bestellt - also die zweite geöffnet: Ja, ist anders, aber nicht OK. Argh! Die dritte Flasche geöffnet (langsam wird mir das aber ein bißchen teuer hier!): riecht und schmeckt schon wieder anders - aber nicht gut. Fazit: 27,- € für den Ausguß! Nur fürs Protokoll auch die Verkostungsnotiz:

dunkles Rubinrot, In der Nase beinahe nur unsaubere Fehl-Noten: Teer, Tinte, feuchtes Holz, daneben noch leicht chemische Noten; Wie er riecht, so schmeckt er auch: holzig, chemisch, fehlerhaft; die Zweite Probe ist zudem extrem bitter; entweder Qualitätsproblem mit der Abfüllung oder schlicht mißlungener, fehlerhafter Jahrgang

Update: Nach etwas weiterer Belüftung (Dekantierung in Karaffe) habe ich die letzten zwei Flaschen erneut probiert. Mit viel Wohlwollen kann man auch Aromen von Erde, Leder und Schokolade ausmachen, Fruchtaromen muß man aber mit der "Lupe" suchen. Es bleibt z.B. eine ungewöhnliche Bitterkeit und ein unangenehmes Brennen. Ich vermute, daß man es hier mit den neuen Holzfässern zu gut gemein hat. Hier beweist sich wieder: das Gegenteil von gut ist gut gemeint...
Als mögliche Ursache kommt auch eine mangelhafte Holzfaßpflege in Frage. Dies würde die muffig-modrigen Fehlnoten erklären. Bei einem Wein dieser Preisklasse (aber nicht nur dieser) ist das natürlich völlig inakzeptabel.
Es bleibt dabei, daß der Wein einfach nicht gut schmeckt und das liegt nicht nur daran, daß er so oder so noch nicht seine Trinkreife erreicht hätte. Etwas neugierig wäre ich ja schon, einen anderen Jahrgang dieses Château zu kosten - aber bitte nicht von meinem eigenen Geld.
Nach einigem Hin und her bin ich allerdings doch zur ursprünglichen Abwertung zurückgekehrt. Beim "Abgang" hat es mich jedes Mal regelrecht geschüttelt. Nein, so etwas würde ich selbst meinem ärgsten Feind nicht anbieten.


Gesamturteil: Ab in den Lokus! (0/5 Flaschen)
So macht das Ganze natürlich keinen Spaß! Sicherlich könnte man einige Einschränkungen machen: der Wein könnte in der Entwicklung begriffen und gerade "verschlossen" sein. Das erklärt jedoch nicht die anfänglichen Fehlnoten und warum durch den massiven Holzeinsatz alles an Primäraromen plattgemacht wird. Daß eine ganze Serie bei der Abfüllung vermurkst wurde glaube ich inzwischen nicht mehr, ich vermute vielmehr, daß der Wein einfach schlecht gemacht ist und kann von diesem Wein nur abraten! Fernabsatzgesetz hilft natürlich gar nicht, wenn man die Flaschen schon geöffnet hat. Nur wie will man vorher schon wissen, daß der Wein nicht schmeckt? Und eine fehlerhafte Flasche kann immer mal vorkommen und es ist auch allgemein üblich, für korkkranke Flaschen keinen Ersatz zu leisten, auch wenn einige Unternehmen (z.B. Jacques Weindepot) das sehr kulant handhaben und selbst dann noch Ersatz leisten. Natürlich werde ich Vino24 den Fall schildern und bin gespannt, wie man darauf reagieren wird. Schließlich gibt es nicht nur am Wein etwas auszusetzen.

Anmerkung: selbst Mitte August hat man es bei Vino24 noch nicht geschafft, die Jahrgangskennzeichnung im Online-Shop zu aktualisieren. Da frage ich mich doch, ob man bei diesem Händler als Weinliebhaber gut aufgehoben ist.
 

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